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Ein kulinarisches Meisterwerk in Nürnberg
Mein Besuch im Essigbrätlein am Mittwochmittag, dem 20. März 2024, war ein unvergessliches Erlebnis. Der Empfang war freundlich und trotz des kleinen Gastraums strahlte das Ambiente eine Mischung aus urig-bayerischer Gemütlichkeit und feiner Eleganz aus, die uns sofort in ihren Bann zog.
Das standardmäßige 5-Gang-Menü für die Mittagszeit war eine Offenbarung. Besonders hervorzuheben ist die alkoholfreie Getränkebegleitung, bei der das Erraten der Saftinhalte für besondere Freude sorgte. Die drei Amuse-Gänge waren ein gelungener Auftakt: Der erste Gang, ein Spargelsaft mit Kirschpflaume und eingelegtem Ingwer, war pur, erfrischend und reinigend.
Der zweite Gang, ein Kopfsalatherz mit Pistazie und Vogelmiere, überzeugte durch eine perfekte Koexistenz von Frische und Cremigkeit mit nussigen und herben Aromen. Der dritte Gang, die Wassermelonenschale, war eine überraschende Geschmacksexplosion, fein und filigran gearbeitet, die den Hauptakteur Wassermelone fast in den Hintergrund treten ließ. Das frische Sauerteigbrot von einer regionalen Bäckerei, serviert mit einer cremigen Butter mit exzellenter Aromatik von frischen Bohnen, war ein heimlicher Star des Tages und zeigte die Meisterhaftigkeit der Küchenchefs Yves Ollech und Andree Köthe.
Der zweite Gang, 'Weißkrautstrunk', war eine ambivalente Komposition aus bescheidener Benennung und opulenter Ausführung. Der sous vide gegarte Weißkrautstrunk wurde von einem seidig-cremigen Petersilienwurzeljoghurt umschlossen, während gehobelte Petersilien- und Schwarzwurzeln sowie geriebene, fermentierte schwarze Zitrone für zusätzliche Dimensionen und eine aufbrechende Wohligkeit sorgten. Eine göttliche Speise.
Der vierte Gang, 'Lamm mit Karottenjoghurt', wird mir lange in Erinnerung bleiben. Ein zartes, butterweiches Stück Lamm mit dezenter Grillaromatik und knuspriger Fettkruste, begleitet von eingelegtem Staudensellerie und karamellisiertem Karottenjoghurt sowie einer fruchtigen Creme aus fermentierten Äpfeln und Fenchel. Allein dieses Gericht war die Reise nach Nürnberg wert – ein Göttergang.
Abschließende Petit-Fours in Form einer Schokoladentafel krönten das exzeptionelle Mittagsmenü. Die konsequente Köstlichkeit und die Verarbeitung sonst unprätentiöser Zutaten zu einer solchen Perfektion ist im Essigbrätlein seinesgleichen.
- Spargelsaft9
- Kopfsalatherz10
- Wassermelonenschale10