9
Geschmacklich überzeugend, aber mit kleinen Schwächen
Das „sein“ ist ein ungewöhnliches 2-Sterne-Restaurant mit modernem Ambiente und nur sechs Tischen, betreut von zwei Köchen und zwei Servicekräften. Die Begrüßung war freundlich, und die weibliche Restaurantleitung sorgte für einen inspirierenden und unterhaltsamen Austausch über den Abend hinweg. Lob und Kritik wurden interessiert aufgenommen.
Beim Essen begann es zunächst etwas zäh, mit einer 30-minütigen Wartezeit auf die "Einstimmung" aus der Küche. Diese bestand aus drei Kräckern, darunter ein als "Kartoffelsalat in schick" bezeichneter Wolfsbarsch- und Rindertatar, der geschmacklich nicht überzeugte (-). Danach folgten zwei weitere Häppchen, die eine deutliche Steigerung darstellten.
Ein "sein-Klassiker", Meerrettichmakaron mit Gänseleber und Apfel, war perfekt abgestimmt und hinterließ einen langen Nachgeschmack (0). Ein Artischockensüppchen mit Trüffel war ebenfalls gut (0-). Das 6-Gang-Menü mit zugebuchtem Kaisergranat war ein Genuss.
Besonders hervorzuheben ist der Brotgang mit Sauerteigbrioche und Bockshornkleebrot (0+). Der erste Gang, Gamba Blanca, begeisterte mit intensiven Aromen und Texturen (0). Der japanische Hamachi bot viele Aromen, die jedoch nicht ganz perfekt harmonierten (0-).
Der Färöer Kaisergranat war wunderbar texturiert und geschmacklich fast perfekt abgestimmt, nur der Ingwercrumble war nicht ganz nach meinem Geschmack (0-). Die beiden Fischgänge, Zander und Seezunge, wurden souverän zubereitet. Der Zander mit Orange, Ingwer und Beurre Blanc war exzellent (0), die Seezunge mit Kalbszunge und Rote Bete etwas schwächer (0-).
Auffällig war die geschmackliche Komposition bei jedem Gang, die sich auf das Wesentliche konzentrierte, ohne unnötige Verzierungen. Das Hauptgericht, Stubenküken, war zwar zart und gut ergänzt, wirkte aber als alleiniger Fleischgang unspektakulär (0-). Das Predessert mit Joghurt und Baiser war frisch und lecker (0), und der Nachtisch mit Kokos, Himbeere und Litschi schmeckte vorzüglich (0).
Fünf Petit Fours rundeten das Menü ab (0). Fazit: Ein toller Geschmack für einen angemessenen Preis (220 EUR für das 6-Gang-Menü), sehr empfehlenswert, wenn man auf aufwendiges Plating verzichten kann.
- Brotgang9
- Gamba Blanca9
- Zander8
- Einstimmung3
- Wartezeit4