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Ein kulinarisches Experiment mit fragwürdigem Ergebnis
Wenn Sie lernen möchten, wie man aus Stroh Gold spinnt, d. H. In diesem Fall wie sich billige Lebensmittel in ein Menü für 230, - EUR verwandeln, dann bewerben Sie sich bei Tony Hohlfeld als Praktikant: in.
Und Sie sollten Pilze mögen, denn die vagabundieren fermentiert, destilliert, püriert, emulgiert oder sonstwie dekonstruiert oder zum Keks a la Bahlsen oder bizarren schokoladigen Schlangen rekonstruiert durch das grausig verpeilte Menü. Der Küchenchef und seine Entourage nehmen für sich in Anspruch, mit der Verwandlung von Essbarem „dem Zeitgeist einen Schritt voraus“ zu sein. Nur leider ist diese Art Kreativität bedauerlich zermürbend, schon beinahe banal.
Ob dieser am eigenen Überholtsein berauschte, aus der Molekularküche der 90iger Jahre entlehnte Retrostil auch schmeckt, egal, Hauptsache die Botschaft stimmt! Kopfsalat, Möhre, Mais, Peperoni, Paprika, Bete, Lauch, Pflaume, Molke, Flieder, Blaubeeren, in welcher nebulösen Form auch immer, all das muss rein ins Menü. Dazu Dry Aged Kabeljau (geht’s noch billiger?), Mies-Muscheln, drei Würmchen aus jungem Aal auf einem Löffelchen Rinder-Hack, vom Huhn nur flambierte Hautfetzen und ein Stück vom Hirsch.
Ein schlankes Hummer-Teil gab es auch, aber nur mit einem Aufpreis von 45, - EUR als Ersatz für einen ausgelassenen Menü-Gang oder für 59, -EUR zusätzlich zum Menü. Ob das wohl bei den urbanen Eliten, die sich hier im woken düsteren Safe-Space Ambiente versammeln noch länger folgenlos bleibt? Worauf ich aber gar nicht mehr so große Lust habe, sind patzig-arrogante Reaktionen auf freundlich vorgetragene diskrete Kritik!
Und, Herr Hohlfeld, Ihre respektlose dummdreiste Bemerkung in der ZDF-Dokumentation „Am Pass“, dass die 50% Ihrer Gäste, denen es nicht geschmeckt hat, ihr Geld eben verbrannt haben, hätten Sie sich besser sparen sollen. Mögen Sie Ihre Gäste eigentlich?